samedi 24 juillet 2010

Die Hypothek des Eigentums


Kredit aufzunehmen ist einfach und überbrückt viele unangenehme Engpässe. Noch angenehmer wird es - den Homo oeconomicus vorausgesetzt - , wenn die gemachten Schulden nicht selbst bezahlt werden müssen, sondern von zukünftigen Generationen.

Obwohl sich viele Staaten heute hoch verschulden, bietet sich in den Schweizer Gemeinden ein ganz anderes Bild. Denn in Schweizer Gemeinden herrscht im allgemeinen eine tiefe Schuldlast. Kann man also behaupten, Schweizer seien moralischer und verantwortungsbewusster ihren Kindern gegenüber? Ganz so einfach ist es wohl nicht. Denn, wie erklären wir die tiefe Schuldenlast mit dem Wissen, dass viele Bürger heute gar keine Kinder mehr haben und, wenn sie welche haben, diese später selten im gleichen Ort wohen, wie ihre Eltern, also nicht deren Schulden begleichen? Das Argument der Moral ist nur begrenzt anwendbar. Lässt sich das Phänomen der tiefen Gemeinde­verschuldung also anders erklären?

Eichenberger und Stadelmann haben das Phänomen der tiefen Gemeinde­verschul-dung in der Schweiz aus oekonomischer Sicht betrachtet. Sie stellten dabei eine negative Korrelation zwischen Hauseigentum und Gemeindeschulden fest: 1% mehr Hauseigentümer bewirkt 1.1% weniger Schulden. Die Erklärung von Eichenberger und Stadelmann für dieses Phänomen ist kurz und prägnant, und darum umso durchschlagender: Schulden kapitalisieren in Hauspreise. Die Kapitalisierung der Schulden in einer Gemeinde in die Preise standardisierter Häuser beträgt in ihrer Untersuchung im Kanton Zürich zwischen 80% und 120%. Die Hauseigentümer sind also sehr interessiert an einer tiefen Schuldenlast. So ist es nur verständlich, dass sie sich in ihrer Gemeinde politisch dafür einsetzen.

Die Mieter hingegen, so postuliert es die Studie, setzen sich politisch gerade in umgekehrter Richtung für mehr Schulden ein. Denn die Mieter profitieren ohne imminenten Nachteil von den Krediten, welche die Gemeinden aufnehmen, sind also dafür. Dieser Umstand führt gemäss der Studie zu fundamentalen Interessensgegensätzen auf politischer Ebene zwischen Hauseigentümern und Mietern.

Für diese Untersuchung wurde der Kanton Zürich gewählt, da in diesem Kanton eine relativ gute Datenlage über die Liegenschaften in den Gemeinden vorherrscht. Zudem können die Gemeinden eine relativ freie Fiskalpolitik verfolgen und der Kanton tätigt keine „bail outs“, und wenn, dann nur partiell. Das Angebot von Land ist unelastisch und - ein wichtiger Punkt - es herrscht gute Mobilität zwischen den Gemeinden. Ohne diese Voraussetzung, wie es zum Beispiel in grossen Staaten mit hoher Sprachbarriere nach aussen der Fall ist, wird die Kapitalisierung schwächer und die Verschuldung höher. Die letzte Aussage ist eine noch nicht untersuchte These, leuchtet aber vorab intuitiv ein.

Ein weiterer interessanter Punkt, der zu untersuchen wäre, ist der Einfluss der Rate von Hauseigentümern, die nicht in der selben Gemeinde wohnen, auf die Verschuldung. Denn diese Hauseigentümer haben keinen direkten politischen Einfluss auf die Verschuldung der Gemeinde, leiden aber trotzdem unter der Kapitalisierung jener in ihr Eigentum. Das Resultat einer solchen Studie wäre sicherlich vor allem für Gebiete spannend, wo grösstenteils Grosskonzerne Liegenschaften besitzen.

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